Diese Gedenkfeier ist mehr als ein symbolischer Akt. Sie ist ein Bekenntnis zur historischen Verantwortung und ein Zeichen dafür, dass Unrecht benannt werden muss – auch Jahrzehnte später.
In der Nacht vom 2. Juli 1989 verloren vier Menschen aus der tamilischen Gemeinschaft ihr Leben. Lange Zeit blieb offen, ob der Brand ein Unfall oder ein Anschlag war. Neuere Recherchen und historische Untersuchungen zeigen jedoch deutliche Hinweise auf ein rassistisches beziehungsweise rechtsextremes Motiv. Trotzdem wurden diese Spuren damals nicht konsequent verfolgt. Für die Angehörigen und die tamilische Gemeinschaft bedeutete dies nicht nur den Verlust ihrer Liebsten, sondern auch jahrzehntelanges Schweigen und fehlende Gerechtigkeit.
Es verdient Anerkennung, dass der Churer Stadtpräsident öffentlich eingeräumt hat, dass die Behörden ihrer Verantwortung damals nicht ausreichend nachgekommen sind. Eine solche Ehrlichkeit ist wichtig. Erinnerungskultur bedeutet nicht, die Vergangenheit zu verändern – sondern aus ihr zu lernen.Als jemand mit tamilischen Wurzeln bewegt mich dieses Gedenken besonders. Viele Tamilinnen und Tamilen kamen in den 1980er-Jahren in die Schweiz, weil sie vor Krieg, Gewalt und Verfolgung fliehen mussten. Sie hofften auf Sicherheit und einen Neuanfang. Der Brandanschlag von Chur zeigte jedoch, dass auch hier Hass und Rassismus Leben zerstören konnten.
Heute ist die tamilische Gemeinschaft ein fester Bestandteil der Schweizer Gesellschaft. Sie engagiert sich in Wirtschaft, Bildung, Gesundheitswesen, Politik und Kultur. Umso wichtiger ist es, dass auch ihre Geschichte – mit ihren Erfolgen, aber auch mit ihrem Leid – Teil der gemeinsamen Erinnerung wird.
Der Vier-Lichter-Weg erinnert nicht nur an vier Menschen, die ihr Leben verloren haben. Er erinnert uns alle daran, dass Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Extremismus keinen Platz in unserer Gesellschaft haben dürfen. Erinnerung allein genügt jedoch nicht. Sie muss uns dazu verpflichten, Menschenwürde, Vielfalt und Demokratie jeden Tag aktiv zu verteidigen.
Die vier Lichter in Chur stehen für die Opfer. Gleichzeitig sollen sie Hoffnung schenken – Hoffnung auf eine Schweiz, die aus ihrer Geschichte lernt, Verantwortung übernimmt und sich entschieden gegen Hass und Ausgrenzung stellt.
Vergessen ist keine Option. Erinnern ist Verantwortung.


